| Interview Sebastian Weber |
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Hallo Sebastian,
herzlichen Glückwunsch zu einer äusserst erfolgreichen Saison 2008, gekrönt in Varese mit dem Titel der Zeitfahrweltmeisters für Bert Grabsch.
Ich bin im Zuge des Neuaufbaus durch Bob Stapleton nach der Saison 2006 zum Team gekommen. Seitdem bin ich grundsätzlich für das Training und alle damit zusammenhängende Maßnahmen wie z.B. die Ernährung im Training, zuständig. Manche unserer Fahrer haben einen Heimtrainer, meistens noch aus der Zeit bevor sie zum Team kamen. Sofern es sich bei diesen Trainern tatsächlich um Trainer und nicht um einen Mediziner handelt, sind wir sehr darum bemüht diese funktionierende Trainer-Athlet Beziehung aufrechtzuerhalten. Einige unserer Fahrer haben selber viel Erfahrung mit ihrem Training, da stehe ich dann eher beratend zur Seite. Und dann gibt es eine Menge Fahrer für die ich dann quasi der Heimtrainer werde, so dass sich eine engere Zusammenarbeit ergibt. Dieses Jahr waren das z.B. Andre Greipel, Kanstantin Sivtsov, Bert Grabsch, Tony Martin, und viele andere. Daneben habe ich noch ein paar Profitriathleten mit denen ich arbeite. Seit wann arbeitest Du mit SRM Systemen? Wie nutzt Du SRM im Arbeitsalltag? Mein erstes SRM habe ich 1997 von Uli bekommen, damals noch bei ihm im Privathaus im Keller. Im Alltag bekomme ich die Daten der Fahrer sowohl vom Training als auch vom Rennen zugesendet. Daher kann ich ständig das Training, die Belastung im Rennen sowie die Leistungsentwicklung analysieren. Welche Parameter berücksichtigst Du im Training? Für das Training ist vor allem die Zeit, die Leistung, die Tretfrequenz sowie die Energie entscheidend. Und natürlich das Verhältnis Leistung zu Herzfrequenz. Weiterhin ist der Abgleich Sollwerte (Trainingsplan) zu Istwerten (SRM Datei) wichtig für die Arbeit. Wenn man diesen Vergleich hat muss man die Hintergründe für eventuelle Abweichungen kennen. Hat der Fahrer zuviel gemacht weil er besonders gut drauf war? Ist weniger oder ein anderes Training durchgeführt worden aufgrund äußerer Bedingungen, weil der Athlet zu müde war,...? Inwieweit fließen Wettkampfdaten in die Trainingssteuerung ein? Die Wettkampfdaten sind sehr wichtig in der Trainingssteuerung! Wenn im Training mal eine Datei fehlt, aber der Athlet sagt das Training war wie im Trainingsplan beschrieben, dann kann ich die Belastung einschätzen. Aber Rennen sind einfach unberechenbar. Die Strecke, Witterungsbedingungen aber vor allem die taktische Situation beeinflussen die Qualität als auch die Quantität der Belastungsparameter maßgeblich. Das muss man auf jeden Fall wissen wenn man die Leistungsentwicklung entsprechend planen möchte. Bert Grabsch ist bei der WM mit einem SRM am Zeitfahrrad gefahren. Du sprichst von einer speziellen Pacingstrategie, deshalb möchte Bert -verständlicherweise - die Daten nicht veröffentlichen. Kannst Du uns allgemein sagen, worauf es beim Zeitfahren ankommt und wie ein SRM dabei von Nutzen sein kann? Wir setzen da die so genannte STAPS Methode ein. Damit ist es möglich aufgrund einer Leistungsabgabe (gemessen durch das SRM) die physiologische Antwort im Muskel vorherzusagen. Das heisst also wenn wir die Leistung sowie den Athleten kennen, dann lässt sich exakt bestimmen bei welcher Leistung sich der Fahrer wie schnell erholen kann, wie viel Laktat in der Minute aufgebaut wird oder z.B. wie lange er „überzocken" kann. Das übertragen wir dann auf einen Kurs, z.B. den in Varese, und können dann ermitteln welche Steigung, welche Kurve, Abfahrt etc. in welchem Tempo gefahren werden muss, um eine optimale Geschwindigkeit zu erzielen.
Welche Rolle spielt neben der Leistung in Watt die Herz- und Trittfrequenz in diesem Konzept? Bert ist ja, verglichen mit vielen anderen eine eher niedrige Trittfrequenz gefahren. Die Trittfrequenz ist dabei erstmal sekundär, entscheidend ist die Leistungsabgabe. Für manche Fahrer ist eine relativ hohe Trittfrequenz optimal, für andere eine eher niedrige. Das ist abhängig von den individuellen physiologischen Voraussetzungen und lässt sich leicht im Labor herausfinden. Für alle gleich ist jedoch: je höher die Trittfrequenz, umso schlechter die Aerodynamik. Was kann ein Hobbyfahrer daraus lernen und wie kann er dabei das SRM optimal einsetzten? Ein Amateur oder Hobbyfahrer sollte zunächst einmal lernen mit dem SRM gut umgehen zu können, das dauert in der Regel nur wenige Wochen. Als nächster Schritt wäre dann meiner Meinung nach eine umfassende physiologische Diagnostik unabdingbar. Diese sollte zwei Resultate bringen: a) was bedeuten die im Training und Rennen gemessenen Wattzahlen und Energiewerte physiologisch für meinen eigenen Körper. Also z. B. bei welcher Wattzahl kann ich mich optimal erholen, bei welcher Wattzahl ist mein Kohlenhydratverbrauch so gering, dass ich es über mehrere Stunden Grundlagentraining durchhalte, etc. b) Zum anderen sollte eine solche Untersuchung entsprechende Trainingsmethoden zu Tage fördern, welche für den Fahrer individuell den besten Trainingsfortschritt ergeben. Viele von diesen, zum Teil neuartigen Methoden lassen sich nur noch mit einem SRM umsetzen bzw. ausreichend genau steuern. Betreust Du neben den Profis auch Hobbysportler? Wenn ja, wie sieht die Betreuung aus? Ich habe früher sehr viele Amateure und Hobbysportler betreut und beraten und nur wenige Profis. Heute ist das Verhältnis eher umgekehrt. In unserem Trainingsinstitut in Köln in dem ich arbeite, habe ich aber einen Mitarbeiterstab. Diese Kollegen arbeiten mit den gleichen Methoden wie ich auch selber im Profisport oder haben da bis vor kurzem noch gearbeitet. Hier betreuen wir Sportler und Sportlerinnen aller Leistungsklassen und Sportarten (also auch Triathleten, Läufer, etc.) Vielen Dank Sebastian für das ausführliche Interview. |








