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Interview Barbara Tesar

Hallo Barbara, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Super-Saison 2008. Hast Du sie mit den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii abgeschlossen?
Vielen Dank! Ja, die Saison hat jetzt auch schon wirklich lange gedauert. Immerhin hat sie ja schon im Frühjahr begonnen. Jetzt braucht der Körper mal Zeit sich von den Strapazen der Wettkämpfe und des Trainings zu erholen. Im Moment ist noch Off-Season angesagt.

Welche Eindrücke und Erlebnisse vom Ironman auf Hawaii werden Dir immer in Erinnerung bleiben?
Dass ich 250 Watt im Flachen getreten bin und trotzdem nur 20km/h auf meinem Tacho standen ;-). Nein, im Ernst...der gesamte Wettkampf und sein Umfeld ist absolut beeindruckend. Vor allem ist die Herausforderung Ironman Hawaii sehr spannend, weil die Begebenheiten einfach so dermaßen hart sind. Was ich auch sicher nie vergessen werde ist, als wir es 2006 zusammen mit meinen beiden Brüdern geschafft haben, uns für Hawaii zu qualifizieren und dort als erstes Geschwistertrio weltweit gefinisht haben. Das war schön! Als ich am Wettkampftag krank war und im Ziel nach dem Rennen nur noch 39 Puls hatte, war dann weniger schön. Mittlerweile kann ich schon auf 4 Hawaiistarts und 10 gefinishte Ironmen zurückblicken. Was natürlich auch immer in Erinnerung bleibt, ist jeder einzelne Zieleinlauf bei einem solchen Event. In diesem Jahr erstmals in Hawaii am Podium zu stehen, war schon immer ein Ziel, das ich nun endlich verwirklichen konnte.

Seit wann trainierst Du mit dem SRM System, was sind für Dich die Hauptvorteile im Training und Wettkampf?
"Ich habe mein System eine Woche vor Hawaii bekommen und montiert. Die SRM-Kurven aus Training und Wettkampf geben sehr, sehr viel Aufschluss über Leistungssteigerungen, Schwächen und den aktuellen status quo. Leider weiß mein Trainer seither auch, wann ich immer "nicht getreten" habe. In Hawaii waren es immerhin 7 Minuten. Schummeln ist also nimmer möglich ;-). Was mir sehr hilft ist, dass ich immer die Info über meine aktuelle Leistung (Training und Wettkampf) habe und das ist für mich sehr motivierend, meistens zumindest.

Wie gestaltest Du Deine Saison - an wie vielen Wettkämpfen nimmst Du teil, nutzt Du Wettkämpfe auch als Training?
Bis jetzt habe ich im Jahr 1-2 Ironmanwettkämpfe gemacht, die eine oder andere Mitteldistanz dazu. Der Rest waren Sprint- und Olympische Distanzen oder Läufe und Radrennen, die größtenteils als Training dienen. Ab dem nächsten Jahr werden fix 2 Langdistanzrennen in meinem Kalender stehen."

Wie gestaltest Du das Training - nach welchen Parametern richtest Du Dich zur Steuerung der Intensität: Leistung, Herzfrequenz, gefühlte Intensität?
"Zugegeben, bis jetzt war mein Training ein Mix aus gefühlter Intensität und hin und wieder Einheiten mit Pulsmesser. Mein Powermeter gibt mir die Möglichkeit, es jetzt wirklich professionell zu gestalten und das ist für eine weitere Leistungssteigerung unumgänglich. Ab jetzt nur noch wattgesteuert."

In Deinen News berichtest Du, dass Du Dich während des Ironman an den Wattwerten orientiert hast - hat Dir das bei den schwierigen Windverhältnissen in diesem Jahr geholfen?
"Ja, sehr sogar. Der Wind war in diesem Jahr sehr stark, den hab ich so noch nie erlebt. Deshalb waren auch alle Radzeiten im Verhältnis recht langsam. Es war teilweise wirklich zum Verzweifeln, wenn nur noch 22km/h am Tacho standen und ich getreten hab wie ein Esel. Mein Powermeter hat mir aber dann verraten, dass nicht ich so schlecht bin, sondern eben die äußeren Bedingungen mich nicht schneller fahren lassen. Ich wusste also, am richtigen Weg zu sein und das hat unheimlich beruhigt."

199 Watt ist eine sehr gute Durchschnittsleistung für 180 Kilometer, besonders wenn man es auf Watt pro kg umrechnet. Radfahren ist Deine Stärke. Hast Du einen Tipp für andere Triathletinnen, wie sie sich im Radfahren verbessern können?
"Ich wiege in etwa 58kg, also müssten es 3,4 Watt gewesen sein. Mir hat der Umstieg von einem normalen Rennrad auf mein Triathlonrad sehr viel gebracht. Nicht nur weil es bedeutend leichter war, sondern auch wegen der Position. Dabei muss man aber vor allem schauen, dass man nicht gleich am Anfang zu extrem am Rad sitzt und deshalb Probleme (Rücken, Leiste, Hüfte, Knie) bekommt. Also, schön langsam an herantasten. ...und natürlich wattgesteuertes Training!"

Hast Du schon einmal einen Aerodynamiktest für Deine Position auf dem Rad gemacht?
"Nein, noch nie. Ich muss der Konkurrenz doch den Funken einer Chance lassen ;-))))."

Arbeitest Du mit speziellen Techniktrainern fürs Schwimmen und Laufen?
"Ja, vor allem beim Schwimmen. Da kann ich eigentlich nur meinen Bruder Bernd empfehlen. Im Winter heißt es für mich ohnehin, dass ich ordentlich am Schwimmen und Laufen arbeiten muss."

Wie sieht Dein Offseason Training aus und wann beginnst Du mit der Vorbereitung auf die nächste Saison? Was hast Du Dir für 2009 vorgenommen?
"Ich werde Mitte-Ende November wieder mit "richtigem" Training beginnen. Bis dahin mache ich, wonach mir gerade ist: sei es ein bisschen zu laufen, ordentlich zu shoppen, zu faulenzen, Badminton oder andere Ballspiele zu spielen und mich mit meinem Hund zu beschäftigen. Für 2009 habe ich mir eine neue Herausforderung gesucht: Ich werde meinem Amateur-Status ade sagen und als PRO starten. Mittlerweile ist es leider keine Herausforderung mehr, bei einem Ironman-Qualirennen meine AK zu gewinnen, deshalb habe ich nach etwas Neuem gesucht und ich hoffe auch, es gefunden zu haben."

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg in Deiner sportlichen Karriere und natürlich auch für das Leben ausserhalb des Sports.